Die US-Wahl, insbesondere Barack Obama, hat neue Maßstäbe im Bereich des Internetwahlkampfes gesetzt. Viele Blogger hoffen nun, dass es im Superwahljahr 2009 auch in Deutschland diverse Wahlkämpfe 2.0 geben wird. Meine Wenigkeit zählt ebenfalls dazu und daher versuche ich meinen Teil dazu beizutragen, in dem ich mich bei den JuLis und der FDP engagiere und versuche, zum einen die jeweiligen Untergliederungen überhaupt “ins Netz zu bringen” und zum anderen auch den Fokus ein bisschen auf Social Media zu lenken.
Doch was war das besondere an Obamas Kampagne? Robert Basic meint, Obama habe einfach nur alle Kanäle gespamt, um an Spenden zu kommen. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, vergleicht man mal dessen Seiten in den verschiedenen Social Networks, wo überall beispielsweise nach der Wahl der gleiche Artikel „How this happened” erschienen ist. Doch seit dem 5. November ist nichts mehr passiert, auch der Twitter-Account liegt seitdem brach.
Man könnte also sagen, dass Obama bzw. sein Team die Social Networks einfach als Wahlkampftool missbraucht hat. Dennoch kommt hier in Deutschland hauptsächlich diese Nutzung des Internets für den Wahlkampf an und wird nach und nach von unseren Politikern übernommen, die Qualität der Umsetzung vorerst mal außen vor gelassen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn Barack Obama hat die ganzen Netzwerke und Tools tatsächlich größtenteils als einseitigen Kommunikationskanal genutzt – aber er hat mit my.BarackObama.com seine eigene Internetplattform aufbauen lassen, damit sich seine Unterstützer und den “Graswurzel-Wahlkampf” organisieren und durchführen konnten.
Trotzdem ist die derzeitige Internet-Darstellung der deutschen Politiker und Parteien noch ziemlich mangelhaft und das leider durch die Bank, auch bei der FDP. Zwar werden regelmäßig Videos auf YouTube veröffentlich, alle paar Tage schreibt mal ein Abgeordneter etwas im Fraktionsblog, doch den Twitter-Account kann man getrost vergessen. Das alleinige Posten von Pressemitteilungen ohne jegliche Kommunikation mit den Followern macht eben noch kein Microblogging aus.
Ein aktuell recht gutes Beispiel gibt Thorsten Schäfer-Gümbel ab, der zwar erst vor zwei Tagen begonnen hat zu Twittern, doch scheinbar alles richtig macht: Er schreibt selbst (?), antwortet seinen Followern und lässt sich darüber hinaus auf Experimente wie das Twitter-Interview mit Robert Basic ein. Natürlich ist das ein netter Pluspunkt gegenüber Roland Koch, doch ich muss zugeben, dass mir persönlich ein nicht-twitternder kompetenter Ministerpräsident Koch lieber ist, als TSG.
Kurz gesagt: Letztendlich ist die politische Kompetenz wichtiger als ständiges Twittern. Doch es wäre schön, wenn noch viel mehr Politiker sich besser oder überhaupt im Internet präsentieren. Und ich denke, es ist gerade die Aufgabe von uns als jungem Parteinachwuchs den Politikern in unserer Umgebung das alles näher zu bringen.
PS: Interessant ist übrigens auch die gerade erschienene 3. Auflage der Studie “Politik im Web 2.0” von Markus Beckedahl auf Netzpolitik.