Die Krux mit dem politischen Geschäft

Christian Wulff ist zurückgetreten. Viele sagen “Endlich!”, manche fragen “Warum erst jetzt?” und ein paar denken sogar “Schade”. Jedenfalls ist dieses Kapitel erstmal abgeschlossen.

Und es geht gleich weiter mit dem nächsten Kapitel. Nämlich der Suche nach einem neuen Kandidaten für Schloss Bellevue. Erfreulicherweise gab Angela Merkel ja bereits bekannt, dass man einen Kandidaten zusammen mit der Opposition aufstellen möchte.

Soweit so gut, doch dann ging das Theater weiter. Joachim Gauck, der “Kandidat der Herzen” der letzten Bundespräsidentenwahl, kommt für die Kanzlerin wohl nicht in Frage, da er schon bei der letzten Wahl von SPD und Grünen aufgestellt wurde und wenn in die Union jetzt mit aufstellen würde, käme es ja einer Niederlage gleich.

Genauso Sigmar Gabriel. Obwohl die Kanzlerin noch am Freitag die “Oppositionsspitzen” anrief und um Zusammenarbeit bat, meckerte Gabriel gestern (also Samstag) schon rum, es gäbe ja noch keine offizielle Einladung zu einem Treffen und vor allem sei noch nicht geklärt, wie groß die Verhandlungsdelegationen sein sollten.

Das ist genau das, weshalb selbst mich Politik in letzter Zeit tierisch nervt. Man hat kaum das Gefühl, dass es um Politik an sich geht. Einzig Posten und Macht scheinen das politische Geschäft zu bestimmen. Ich rede noch nicht mal von der Klüngelei in Hinterzimmern, daran habe ich mich ja fast schon gewöhnt.

Aber wenn ich an so unsinnige Dinge wie den Regionalproporz denke, könnte ich an die Decke gehen. Als ob es nicht darum ginge, möglichst viele fähige Leute in die wichtigen Gremien zu schicken, scheint es nur darum zu gehen, das aus jedem Orts-/ Kreis-/ Landesverband mindestens einer vertreten ist.

Aber zurück zum Thema. Joachim Gauck wäre wohl der geeignetste und beliebteste Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Aber die Chance, dass er wirklich von der Bundesversammlung gewählt wird, ist wohl – dank bescheuerter Machtspielchen – eher gering. Leider.

Wir dürfen also noch ein paar Tage gespannt sein, wer es denn wohl sein wird. Es wurde ja auch darauf hingewiesen, dass Angela Merkel durchaus zu überraschenden Entscheidungen in Personalfragen neigt.

Nachtrag 20.02.12 11:25: Ok, das ist das Problem am zeitgesteuerten Veröffentlichen von Beiträgen. Inzwischen ist die Hälfte des Artikels schon wieder überholt. Ich denke, die Kanzlerin hat die richtige Entscheidung getroffen; jetzt muss sich nur noch Joachim Gauck als Bundespräsident bewerben.

2 Gedanken zu „Die Krux mit dem politischen Geschäft“

  1. “Aber wenn ich an so unsinnige Dinge wie den Regionalproporz denke, könnte ich an die Decke gehen. Als ob es nicht darum ginge, möglichst viele fähige Leute in die wichtigen Gremien zu schicken, scheint es nur darum zu gehen, das aus jedem Orts-/ Kreis-/ Landesverband mindestens einer vertreten ist.”
    I like!

Kommentare sind geschlossen.