Kann Christian Wulff noch Bundespräsident bleiben?

Alle hatten drauf gewartet, nun äußerte sich Christian Wulff gestern Abend ein zweites Mal zu den Vorwürfen. Viel neues hat er nicht erzählt, und ein bisschen hatte ich auch das Gefühl, dass er ein wenig versucht, sich rauszureden. Davon unabhängig hat er aber auch einige richtige Dinge gesagt.

Ob ein Bundespräsident oder ein Politiker im Allgemeinen keine Freunde mehr haben dürfte, beispielsweise. Auch, dass man mit einem solchen Schmierentheater die Bereitschaft der Bürger, sich in der Politik zu engagieren, schmälern würde. Da trifft allerdings nicht nur eine Seite die Schuld.

Denn was mich immer noch wundert: Warum er nicht gleich alle Fakten auf den Tisch gelegt hat, als der erste Bericht der Bild-Zeitung erschien? Spätestens seit der Causa Guttenberg sollte doch allen bewusst sein, dass es immer jemanden gibt, der noch ein wenig tiefer stochert und auch das letzte Detail in die Öffentlichkeit bringt.

Bleibt die eingangs gestellte Frage, ob Wulff weiterhin Bundespräsident bleiben kann. Eigentlich schon, er sollte aber nicht lange auf eine programmatische Offensive warten lassen – nur so kann er die Kritik an seiner Person wieder in den Hintergrund drängen. Ansonsten wird er wohl kaum eine Chance haben, sich viel länger an seinem Amt festzuklammern.

Bemerkenswert war übrigens auch der Kommentar einer Radio Hamburg-Hörerin heute Morgen. Ihretwegen könnte Wulff Präsident bleiben, es bestünde sowieso nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn alle Politiker seien korrupt. Dazu fällt einem auch nicht mehr viel ein…

PS: Auf einen weiteren Wulff-Wortwitz habe ich für den Titel des Artikels absichtlich verzichtet.