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Das Wochenende der Wutbürger

Am Freitag betitelte jemand das vergangene Wochenende als ”das Wochenende der Wutbürger”. Während im Wendland kräftig geschottert wurde, durften die Baden-Württemberger über einen neuen Bahnhof für Stuttgart abstimmen. Und siehe da, nur 48,2 Prozent der Wahlberechtigten schafften den Gang ins Wahllokal, und dann stimmten auch noch 58,8 Prozent gegen den Ausstieg des Landes aus dem Projekt und damit für Stuttgart 21.

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich ein wenig Schadenfreude verspüre. Nachdem in den vergangenen Monaten immer und immer wieder Stimmung gegen dieses drakonische Projekt gemacht wurde, überhaupt die ganze Bevölkerung dagegen sei, fallen (hauptsächlich) die Grünen mit ihrer Dagegen-Politik endlich mal “auf die Schnauze”. Anscheinend gibt es doch nicht so viele Wutbürger, wie (auch in den Medien) verlautbart wurde?

Oder die Initiatoren haben sich mit ihrer umgedrehten Fragestellung nach dem Ausstieg statt dem Projekt selbst ins Knie geschossen und die Wähler waren nachher zu verwirrt, um zu wissen, was nun was ist?

Interessant ist es übrigens, dass sich gerade in Stuttgart eine Mehrheit für den Neubau ausgesprochen hat, aber etwa in Mannheim und Heidelberg mehrheitlich dagegen votiert wurde. Das spricht ja irgendwie völlig gegen die sonst übliche “Not in my backyard”-Mentalität…

Jedenfalls bin ich gespannt, wie es jetzt weitergehen wird. Ob die Stimmung pro Grüne nun wieder nachlässt, nachdem sie eines ihrer wichtigsten Wahlversprechen nicht einhalten können? Personelle Konsequenzen wurden ja zumindest vorerst ausgeschlossen. Die Demonstranten haben ja schon angekündigt, sich vom Ergebnis nicht beeindrucken zu lassen und erst aufhören zu wollen, “wenn Stuttgart 21 beendet ist“.

PS: Obwohl ich meinen Zweit-Wohnsitz in Mosbach habe, durfte ich gar nicht mitstimmen. Denn nach dem baden-württembergischen Landeswahlrecht muss man mindestens drei Monate vor der Abstimmung hierher gezogen sein, was bei mir eben noch nicht der Fall war.