Endlich nimmt der uralte JuLi-Beschluss, die Wehrpflicht abzuschaffen, auch in der realen Politik konkrete Formen an. Na gut, sie soll nur ausgesetzt werden und dann auch eher aus Spargründen statt als Abschaffung der Ungerechtigkeit, die jungen Männern wie mir geschieht.
Aber gut…
Ein kleines Problem habe ich dann allerdings doch damit, nämlich den gleichzeitigen Wegfall des Zivildienstes. Ich leiste diesen ja selbst gerade ab und bekomme dadurch hautnah mit, welch großen Anteil wir am Pflegesystem haben und welch großes Problem die Sozialverbände hätten, würde es uns nicht geben.
Was spricht also dagegen, die Wehrpflicht in eine Zivildienstpflicht (mit der Option Wehrdienst) umzuwandeln – die dann aber für Männer und Frauen gilt. Natürlich werden nun viele andere JuLis aufspringen, dass man doch niemanden zwingen kann, etwas zu tun und dies ein ungerechtfertigter Eingriff in unsere Lebensplanung sei. Ich meine aber, dass dies sehr wohl ein gerechtfertigter Eingriff sein kann, da es – anders als beim Wehrdienst – durchaus der Allgemeinheit zu Gute kommt. Außerdem denke ich, dass bei immer früheren Schulabschlüssen (Einschulung mit fünf, Abitur nach acht Jahren Gymnasium = Abschluss mit 17) durchaus ein halbes oder ganzes Jahr eingeschoben werden kann.
Herr zu Guttenberg wird derzeit von einigen JuLis sehr für seinen Vorschlag gelobt. Ich denke zu Recht, doch sollte er ihn ruhig noch etwas weiterdenken.

Nicht nur JuLis, auch jeder Liberale, der diesen Titel zurecht trägt, wird dir erzählen, dass eine Dienstpflicht egal wofür so ziemlich das krasseste zu findende Gegenteil von dem ist, was freiheitliche Poltik sein kann.
Fakt ist, dass der Zivildienst moralisch noch verwerflicher ist, als Dienst bei der Bundeswehr. Denn die Arbeit, die ein Zivildienstleistender zu einem eher symbolischen Betrag leistet, müsste stattdessen von sozialversicherungspflichtigen Jobs geleistet werden – was zum einen ehrlicher und zu anderen besser für alle Beteiligten wäre.
Darum ist auch das Vorhaben der Familienministerin, einen “freiwilligen Zivildienst” einzurichten, eigentlich verlogen: Erst einen Mindestlohn in der Pflege einführen und anschließend Kosten zulasten der Jugend senken wollen.
Natürlich wird mir das jeder Liberale, der diesen Titel zurecht trägt, bestätigen. Aber ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass gerade in unserer Mutterpartei doch einige nicht so ganz auf JuLi-Kurs sein könnten.
Natürlich ist es moralisch nicht ganz korrekt, die wertvolle Arbeit nur mit dem recht geringen Sold zu entlohnen. Aber leider ist unser Gesundheitssystem so ausgelegt, und ich sehe in naher Zukunft auch keine wirkliche Besserung – trotz Philipp Rösler als Gesundheitsminister. Und von einem auf den anderen Tag, so wie die Bundeswehr umgestaltet werden soll, werden wir nicht gleichzeitig das Gesundheitswesen umgestalten können. Insofern brauchen wir – zumindest für eine gewisse Übergangszeit – weiterhin Zivildienstleistende.
Warum sollte das nicht gehen? Die Arbeit ist doch zweifellos vorhanden, irgendwer muss sie machen.
Weil ein sozialversicherter Arbeitsplatz sicherlich mehr kostet als ein Zivildienstleistender. Und das benötigte Geld ist nicht unbedingt vorhanden.
Wie gesagt, ich weiß, dass das nur eine oberflächliche Lösung des Problems ist, aber meiner Meinung nach die einzige, die im Moment umsetzbar ist.
Eine solche Dienstpflicht ist nichts weiter als moderne Sklaverei. Selbstverständlich kosten andere Lösungen mehr Geld – das kann aber jawohl kein Argument sein, denn wenn das ein Problem darstellt, müssten wir ja alle Jobs in Zwangsdienste umwandeln. Würde ja sicher viel Geld sparen.
Aber das ist auch nur so ein Totschlagargument. Unser Gesundheitssystem ist nunmal sehr teuer und wird in Zukunft wohl auch eher nicht billiger. Irgendwie muss man darauf doch reagieren, denn irgendjemand muss es doch auch bezahlen können.
Außerdem kann ein bisschen Abwechslung nach der Schule sicherlich auch nicht schaden.
Die meisten Menschen gehen nach der Schule arbeiten. Wenn das keine Abwechslung mit sich bringt, was denn dann?
Das Gesundheitssystem wird nicht teurer, weil etwa die Zahl der Zivildienstleisten abnehmen würde, auch ist der Zivldienst ja nicht auf das Gesundheitssystem beschränkt. Die Kostenexplosion dort auf dauer zu verringern, indem man mies bezahlte Zwangsarbeiter einsetzt ist doch kein ernsthaftes Zukunftsmodell. Komfort und Lebensqualität haben eben ihren Preis – und nichts anderes ist unser Gesundheitssystem, dass immer mehr Menschen ein immer längeres Leben bei immer besserer Gesundheit ermöglicht – all das ist toll, hat aber seinen Preis. Und wenn du den allein von jungen Männern bezahlt sehen willst, schürst du einen echten Generationenkonflikt.
Übrigens kann man Kosten im Gesundheitswesen auch damit senken, dass junge Leute möglichst früh möglichst viel Krankenkassenbeitrag bezahlen. Dazu sind aber echte Arbeitsplätze nötig.