Die Tragödie von Duisburg

Etwas über eine Woche ist es jetzt her, das Ereignis mit dem traurigen Beinamen “schwerstes Unglück bei einer öffentlichen Veranstaltung in Deutschland”. 21 Menschen verloren ihr Leben, 511 Menschen wurden verletzt – bei der Loveparade 2010. Das ist die traurige Bilanz einer Veranstaltung, die eigentlich dem ausgelassenen Feiern dienen sollte.

Da ich schon einige Monate vorher für diese Zeit einen Urlaub in Frankreich geplant hatte, stellte sich für mich die Frage, ebenfalls zur Loveparade zu gehen, sowieso nie wirklich. Andererseits waren einige meiner Freunde dort und so wäre ich eventuell doch nach Duisburg gefahren; zumal es ja wirklich quasi vor der Haustüre stattgefunden hat.

So kam es aber, dass ich letzten Samstag kurz nach fünf auf meinem iPhone die Push-Nachricht bekam, mindestens fünf Menschen seien in Duisburg durch eine Massenpanik gestorben. Nachdem wir, zwei Freunde und ich, diese Meldung schon für eine schreckliche Nachricht hielten, schalteten wir den Fernseher ein. Zunächst n-tv, die wie gewohnt 20 Sekunden Bildaufnahmen in einer Endlosschleife brachten und dazu alle 10 Minuten die bis dahin spärlichen Infos wiederholten. Auch im WDR wusste man zu dieser Zeit nicht viel mehr zu berichten, außer, dass man inzwischen schon von zehn Todesopfern ausging.

Langsam machten auch wir uns Gedanken um Freunde, die ebenfalls nach Duisburg fahren wollten. Eine Gruppe JuLis war dort um Giveaways zu verteilen, aber auch Schulfreunde wollten dort einfach Party machen. Zum Glück erreichte uns über Facebook bald die Meldung, dass es allen anwesenden JuLis den Umständen entsprechend gut ginge (obwohl sie zum Unglückszeitpunkt auch in Tunnelnähe gewesen waren) und sie nun den Rückzug antreten wollten. Auch andere Bekannte meldeten sich im Laufe des Abends erfreulicherweise heil zurück.

Die Opferzahlen waren inzwischen schon auf 17 gestiegen; es ging das Gerücht um, dass überall aus NRW noch mehr Rettungskräfte hinzugezogen wurden um die Folgen einer möglichen weiteren Massenpanik auffangen zu können.

Ohnehin waren die zahlreichen Helfer vor Ort an diesem Tag sicher nicht um ihren Job zu beneiden. Und das sage ich in dem Bewusstsein, ab morgen meinen Zivildienst als Krankenwagen-Fahrer anzutreten. Hätte es ein paar andere Umstände gegeben, hätte auch ich vielleicht dort als Sanitäter helfen müssen – keine allzu verlockende Überlegung. (Nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich auf hoffentlich spannende Monate im Zivildienst!)

Andererseits war vermutlich noch nicht das letzte Opfer im Krankenhaus versorgt, als bereits krampfhaft die Suche nach dem Schuldigen begann. Stefan Niggemeier schreibt in der FAZ den medienkritischen Artikel “Ein einziger Blick in die Zukunft hätte doch gezeigt…“, der aufzeigt, wie schnell die Medien die vorher von ihnen hochgelobte Veranstaltung Loveparade mit ihren Veranstaltern und der Chance für Duisburg nach dem Unglück wieder fallen gelassen haben.

Natürlich war die Pressekonferenz der Veranstalter und Organisatoren am vergangenen Sonntag eine Katastrophe. Auch die gegenseitigen Schuldzuweisungen dieser Tage finde ich beinahe unerträglich. Zum einen kann ich mir kaum vorstellen, dass nur eine Person allein die Schuld trägt. Bei der bisher schon bekannten Verkettung von Umständen kann man wohl nur von einer – man verzeihe mir das Wort – Kollektivschuld der Verantwortlichen reden. Dennoch sollte man zum anderen wirklich zunächst die Ermittlungsergebnisse abwarten, die hoffentlich alle Gründe für die Tragödie zum Vorschein bringen, bevor man jemanden verurteilt.

Ebenso widerstrebt etwas in mir, in die derzeitigen Rücktrittsforderungen gegenüber Adolf Sauerland einzustimmen. Der einstige Hoffnungsträger des Ruhrgebietes sei nun das Sinnbild der Katastrophe? Welchen praktischen Sinn hat denn ein Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt? Es ist nur die brutale Hetzjagd bei der Suche nach einem Sündenbock, der Lynchmob hat eine Fährte aufgenommen. Zumal man den privaten Druck auf Herrn Sauerland, im Rücktrittsfall alle seine Pensionsansprüche zu verlieren, sicherlich nicht unterschätzen darf. Hier sollte sich manch ein anderer vielleicht mal die Frage stellen, wie er an dieser Stelle handeln würde…

Gestern fand dann der Trauergottesdienst statt. Von den zwischenzeitlich geäußerten Vorwürfen, die Verwandten der Toten seien nicht mal dazu eingeladen worden, hörte man in den letzten Tagen nichts mehr. Außerdem muss ich Jens zustimmen, dass Hannelore Kraft eine sehr bewegende Rede gehalten hat. Gut gefallen hat mir, dass sie wirklich nur  ihr wohl tiefes persönliches Mitgefühl ausgedrückt hat und es nicht für irgendwelche politischen Zwecke missbraucht hat. Anders als sie sich Anfang der Woche in der Duisburger Unfallklinik mit ihren Kollegen die Klinke in die Hand gegeben hat und jeder ein Opfer besuchen “musste”.

Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Angehörigen ihre Trauer und ihren Schmerz irgendwann überwinden können und die Ermittlungen alle Gründe offenlegen und letztlich auch die Schuldigen dingfest machen – damit sich eine solche Katastrophe nie wieder wiederholt!

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