72 Tote – und wahrscheinlich noch viele Verletzte. Das scheint die Bilanz des von der Bundeswehr angeforderten Luftangriffs in Afghanistan. Man befürchtete, dass die beiden Tanklaster als riesige Brandbomben umfunktioniert werden sollten. Oder wollten die Aufständischen doch nur das Benzin?
Noch kann und will ich den Einsatz nicht bewerten, zuwenig Hintergrund-Informationen sind bekannt. Vielmehr möchte ich versuchen zu klären, ob sich dadurch etwas ändert. Bisher wurde die Bundeswehr weniger mit Angriffen in Verbindung gebracht. Wenn jemand starb, waren es meist unsere Soldaten, die angegriffen wurden.
Dennoch habe ich selbst bisher ebenfalls von einem Krieg gesprochen. Ich ging davon aus, dass bei einem Einsatz einer Armee, die mit Waffen kämpft (sei es auch nur zu Verteidigungszwecken), man schon von einem Krieg sprechen sollte.
Zufälligerweise behandeln wir gerade auch im Sozialwissenschaftsunterricht das Thema Afghanistan und in diesem Zusammenhang auch den Kriegsbegriff. Zunächst kann man ja im völkerrechtlichen Sinne nicht von einem Krieg sprechen, da es einen Krieg nur zwischen zwei Staaten geben kann – und den verbietet die UN-Charta.
Auf der anderen Seite würde man den Taliban auch zu viel Aufmerksamkeit und zu viele Rechte zuteilen. Gäbe es einen Krieg, wären die Taliban nämlich Kombattanten und damit rechtmäßig zu Kriegshandlungen berechtigt. Deshalb wollen die Taliban, dass man den Einsatz der ISAF einen Krieg nennt. Aber die Taliban sind und bleiben Terroristen.
Neben der Taliban will aber auch – man höre und staune – die Linke, dass man den Afghanistan-Konflikt einen Krieg nennt. Denn die Linke will den sofortigen Abzug aus Afghanistan, möglichst “unverzüglich, ohne umständliche Absprachen mit den Verbündeten und ohne Rücksicht auf die Bitten der Regierung in Kabul“.
Alle anderen (im Bundestag vertretenen) Parteien wollen laut ihren Wahlprogrammen jedoch am Afghanistan-Einsatz festhalten, wenn man auch verstärkt auf ein ziviles Aufbau-Programm setzen möchte.
Durch den Luftangriff auf den Tanklaster wird der Afghanistan-Einsatz wohl verstärkt Teil des Wahlkampfes. Aber wird er auch Einfluss auf den Auswahl der Bundestagswahl sein?
Das Bild oben stammt übrigens aus der Wikipedia und zeigt die Truppenverteilung in Afghanistan.

Wir werden das wohl nie erfahren. Schöner Artikel, Matthias. Ich glaube nicht, dass das Thema aus dem Bundestagswahlkampf herausgehalten wird. Nötig ist eine breite Debatte darüber, was weiter geschehen soll. Eigentlich ist es nicht gut, dass 2/3 der Bevölkerung gegen diesen Einsatz sind. Wenn dort, wovon auszugehen ist, weitere Anschläge passieren, bei denen Bundeswehrsoldaten fallen, wird ohne diese Debatte die Position der Regierung schwer zu halten sein. Da macht es nichts, dass aus der LINKE die anderen Parteien dazu stehen.
Zitat:
“Zufälligerweise behandeln wir gerade auch im Sozialwissenschaftsunterricht das Thema Afghanistan und in diesem Zusammenhang auch den Kriegsbegriff. Zunächst kann man ja im völkerrechtlichen Sinne nicht von einem Krieg sprechen, da es einen Krieg nur zwischen zwei Staaten geben kann – und den verbietet die UN-Charta.”
Ach so – Krieg ist verboten – schön das ich das jetzt weiß…Und im “völkerrechtlichen Sinne” ist das ja auch gar keiner. Vielleicht sollte man die schlaue Lehrperson da mal hinschicken – is ja gaaanz ungefährlich. Weil da ja kein Krieg sein kann – per Definition – und der ja sowieso verboten ist…
Mann, Mann – wenn DA kein Krieg is, dann ist nirgendwo in den letzten 100 Jahren Krieg gewesen!
@JürgenHugo:
Das hat nichts mit der Lehrperson zu tun, das ist nunmal die völkerrechtliche Definition von Krieg. Deshalb würde der Völkerrechtler nicht von Krieg sprechen, das betroffene Volk hingegen vermutlich schon. Eben genau die Frage, die wir hier uns stellen.
Es ist schon traurig, dass man sich zuerst darüber streiten muss ob das Wort “Krieg” zutreffend ist oder nicht ….