Internet in der politischen Kommunikation – Tag 2

Der zweite Tag des Seminars an der Friedrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach war – allein durch die Mehrzahl an Vorträgen – deutlich spannender und ergiebiger als der erste Tag.

Zunächst hielt, wie schon im letzten Beitrag angekündigt, Oliver Stirböck einen Vortrag über “Netizens” – eine Zielgruppenanalyse von Online -Kampagnen. Dabei sprach er einen Fehler an, den viele Webseitenbetreiber machen: Sie überfrachten ihre Webseiten. Als Beispiel führte er eine alte Version der FDP-Bundesseite an, die die Wettervorschau von Berlin enthielt. Das interesseiert niemanden, gerade bei einer überregionalen Seite, und es lenkt natürlich auch vom eigenen Inhalt ab. Sinn machen würde so etwas wiederum bei speziellen Aktionsseiten, wie es sie zu überregionalen Parteitagen gibt.

Außerdem muss man versuchen, seine Kampagne so weit offen wie möglich zu gestalten, da man auch nur mit einem breit gefächerten Angebot eine breit gefächerte Gesamt-Zielgruppe erreichen kann. Daher ist es auch wichtig, verschiedene Zielgruppen (z.B. Wähler und Journalisten) unterschiedlich anzusprechen, da sie sich für verschiedene Informationen interessieren.

Der nächste Vortrag war eigentlich der beste Vortrag für die konkrete politische Online-Arbeit. Maria-Christina Nimmerfroh analysierte, wie Menschen auf der Suche nach politischen Informationen vorgehen. Dazu stellte sie drei politische Szenarien und wir sollten aufschreiben, über welche Seite im Internet wir uns als erstes darüber informieren würden. Dabei wurde deutlich, dass die meisten über Webseiten von Zeitungen (FAZ, Welt, Spiegel) oder direkt die Partei-Seiten informierten. Ebenso wurde festgestellt, das niemand sich über Twitter oder Blogs informiert – doch da ist meiner Meinung nach genau ein Fehler in der Betrachtung: Bei Twitter kämen nur kurze Links rein, die auf Nachrichten-Seiten verlinken; zur Hintergrundbetrachtung ist Twitter nicht geeignet. Aber auch in Blogs würde ich mich nicht zuerst über ein politisches Szenario informieren. Einerseits dauert es meistens deutlich länger, bis Artikel in Blogs erscheinen, als das Nachrichten-Seiten bei den Agenturen ihre Meldungen kopieren.

Frau Nimmerfroh ging jedoch auch auf eine gute Webseiten-Erstellung – bzw. vielmehr die Konzepterstellung für eine politische Seite – ein, was ich überaus praktisch finde. Anhand von acht Fragen sollten verschiedene Gruppen ein Konzept erarbeiten und dieses anschließend präsentieren – immer anhand der vier Grundsäulen für eine gute Webseite: Attraktivität, Exklusivität, Aktualität und Interaktivität.

Nach dem Mittagessen ging es dann weiter mit einem Vortrag von Rechtsanwalt Jörg Bange  in dem er die rechtliche Lage von Online-Aktivitäten darstellte – oder besser gesagt: er versuchte sie darzustellen, da die Rechtsprechung in vielen Bereichen im Internet noch ziemlich unklar ist.

Das nächste Thema behandelte die “E-Partizipation 2.0″, also die Teilnahme von Bürgern an politischen Prozessen über das Internet. Christian Hochhuth von der ]init[ AG (die sind für die ganzen Bundesministeriumsseiten verantwortlich) kam allerdings zu dem Schluss, dass die meisten derartigen Angebote mehr Schein als Sein sind (wie so vieles im Internet und der politischen Online-Kommunikation)…

Zum Schluss stellte Referent für Internet und neue Medien der FDP Bundestagsfraktion, Wolfram Sauer, die Online-Wahlkampfmethoden des vergangen US-Wahlkampfs vor und verglich sie anschließend mit dem der deutschen Parteien. Dabei machte sich natürlich ein krasser Unterschied bemerkbar, wobei man natürlich dazu sagen muss, dass Barack Obama ungefähr das 200-fache Budget der FDP hatte.

Den Rest des Abends ließen wir dann gemütlich bei einem Bierchen im Wacholderstübchen (quasi die Bar der Theodor-Heuss-Akademie) ausklingen.

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7 Kommentare

  1. Hallo Matthias,
    vielen Dank für die Kurzzusammenfassung der Beiträge. Ich denke, der Überblick ist an diesem Tag gut gelungen. Unklar ist mir noch, welche Kommunikationsstrategie sich daraus für Orts- und Kreisverbände ergeben. Die bisherigen Form der Webseiten ist sicherlich oft zu steif, aber sie bilden doch einen politischen Rahmen. Bei Facebook und Co kann das doch sehr schnell in’s private abrutschen, wenn man sich darin engangiert. Ich fände es interessant, wenn wir uns nach der Bundestagswahl noch einmal in Gummersbach zu einem Workshop treffen, z.B. mit Maja Pfister, Maria-Christina Nimmerfroh, Christian Hochhuth und Wolfram Sauer und dann die Ansätze und Ergebnisse die sich jetzt gezeigt haben untersuchen. Daraus könnte so etwas wie eine Handlungsempfehlung werden.
    Es grüßt Dich – Walter Jung Bundestagskandidat der FDP Wahlkreis Bad Kreuznach / Birkenfeld RLP

  2. Hallo Herr Lehming,
    ich habe den Vorschlag schon an Maja Pfister gerichtet und sie hat ihn positiv aufgenommen. Ich würde gerne mit den Teilnehmern und Referenten weiterhin in Kontakt bleiben, aber das ist nicht ganz einfach. Der eine ist bei xing, der andere bei Facebook, der dritte bei myfdp, dann haben Sie hier einen Blog, einige twittern. Am besten wäre ja wohl myfdp aus meiner Sicht, dann könnten wir dort eine Gruppe einrichten.

  3. Lieber Herr Jung,
    liebe Teilnehmer des Seminars in Gummersbach,

    ich habe heute schon mit Herrn Füssmann in der THA gesprochen: Die Stiftung wird den Vorschlag, ein Seminar zu diesem Thema im Herbst nochmals anzubieten, gerne aufgreifen. Die Praxisseite wird bei der 2. Auflage dann noch besser zum Tragen kommen.

    Beste Grüße

    Maja Pfister

  4. Hallo Matthias Lehming und alle anderen Seminarteilnehmer,

    toll dass hier vom und über das Seminar in Gummersbach gebloggt und kommentiert wird. Prima ist auch die Initiative von Walter Jung, mit den Teilnehmern und Referenten bis zur Zeit nach der Wahl in Kontakt zu bleiben und sich dann noch einmal zu treffen.

    Um noch mehr Vielfalt in die von Herrn Jung bereits aufgelisteten Gruppen und Netzwerke zu bringen, möchte ich Ihnen auch die FDP-Gruppe auf politik.de für den weiteren Ausbau anbieten: http://www.politik.de/interaktion/gruppen/viewthread.php?g=9&t=156

    Sollte sich hier jemand finden, übertragen wir gerne die Rechte für die Leitung und Moderation der Gruppe. Bisher haben wir uns um die Gruppen der Parteien auf politik.de noch nicht gekümmert und würden uns daher um so mehr freuen, wenn die Liberalen und Gleichgesinnte den ersten Schritt machen und ihren Wahlkampf auch auf politik.de beginnen. In Abstimmung mit den Verantwortlichen der Partei machen wir die Gruppe gerne auch zur offiziellen Gruppe der FDP, dann auch mit dem richtigen Logo! ;-)

    Viele Grüße aus Berlin
    Christian Hochhuth

  5. Hallo allerseits,

    bei my.FDP gibt es jetzt eine Gruppe “Politische Kommunikation im Internet”. Diejenigen Seminarteilnehmer/innen, die ich bei my.FDP gefunden habe, habe ich in die Gruppe eingeladen, alle anderen sich herzlich aufgefordert, sich dort anzumelden.

    Beste Grüße

    Maja Pfister

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